Erfahrungsbericht Langzeit- und Tandemstillen

Langzeit und Tandemstillen

Nadine Simone Wenger / Juli 2008 & Juli 2017

erfahrungsbericht-1Mit unserer Tochter Leonie begann im März 2005 die Stillzeit. Zu meiner Freude hat dies von Anfang an wunderbar geklappt.

Damals dachte ich noch, ich würde wohl die üblichen 6 Monate stillen und dann zu Flaschenmilch und Babybrei übergehen. Es kam natürlich ganz anders.

Leonie’s Haut veränderte sich im laufe der ersten Monate, sie bekam starke Ausschläge. Nachdem ich vieles ausprobiert hatte, fand ich heraus, dass dies mit meinem wenigen Milchkonsumzusammenhing.

Ich änderte also meine vegetarische Ernährung in dieser Zeit um zu veganer Ernährung, mied fortan jegliche Milchprodukte wie Milch, Joghurt, Käse, Butter etc. und tauschte sie später aus mit Sojaprodukten. Innert kürzester Zeit hatte Leonie wieder zarteste Babyhaut. In dieser Zeit war Leonie ca. 3 Monate alt und bekam ausschliesslich Muttermilch.

Leonie’s Haut, bei Mami’s vegetarischer Ernährung (mit wenig Milchprodukten) während Stillzeit:

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Leonie’s Haut, bei Mami’s veganer Ernährung (ohne jegliche Milchprodukte) während Stillzeit:

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Somit war für mich sofort klar, dass ich Leonie sicher das ganze erste Lebensjahr keine Milchprodukte anbieten würde, somit fiel also auch die Flaschenmilch weg.

Unabhängig vom gesundheitlichen Aspekt der Haut war mir klar, dass Muttermilch nach wie vor das Beste ist, was Leonie bekommen würde, auch nach 6 Monaten. Und warum sollte Leonie ab Tag X plötzlich nicht mehr stillen dürfen? Am Tag zuvor noch ein kleines Baby, einen Tag später, zu groß, um zu stillen? Und dies mit sechs Monaten???!! Definitiv Nein!

Die Tage kamen und gingen, und Leonie stillte, wie und wann es gerade passte. Und so kam es, dass sie selbstverständlich auch nach ihrem ersten Geburtstag weiter stillte. Ich war froh darüber, denn es trug maßgeblich zu einem harmonischen, ruhigen Tagesablauf und einem zufriedenen Kind bei. Da sie eher wenig aß und auch vom Körperbau her sehr zierlich ist, war es beruhigend zu wissen, dass die Muttermilch ihr weiterhin alles liefert, was ihr Körper benötigt.

Als Leonie eineinhalb Jahre alt war, wurde ich wieder schwanger. Die Milch ging während der Schwangerschaft fast gänzlich zurück, manchmal waren auch die Brustwarzen empfindlich. Dennoch stillte ich sie weiter, es hat sich in dieser Zeit jedoch natürlicherweise von Leonie aus sehr reduziert auf Morgen- und Einschlafstillen, dazwischen 1 -2 Mal.

Im Mai 2007 kam Elyah auf die Welt, Leonie war gut zwei Jahre alt. Da ich das Stillen nie unterbrochen hatte, blieb der Milcheinschuss, wie ich es von Leonie her kannte aus nach der Geburt. Ich hatte einfach von Anfang an wieder viel Milch, jedoch nicht unangenehm zu viel, es hielt sich alles schön in Grenzen. Somit hatte ich für Elyah gleich genug Milch, die etwas schmerzhaften ersten Tage bis zum Milcheinschuss, wie ich es mit Leonie erlebt hatte, vielen natürlich auch weg. Und Leonie war überglücklich, dass Mami wieder genügend Milch hatte und trank die folgenden Monate auch wieder genüsslich und viel.

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Tandemstillen im Schnee

So stillte ich beide, manchmal zuerst Elyah, dann Leonie, manchmal Tandem. Das ging ganz gut. Leonie war immer so flink dass sie fast in jeder Position ‚ihre Brust’ erwischte. Sie hat die Brüste von Anfang an ‚verteilt’, eine für sie, die andere für ihren Bruder. Dies klappte so gut, dass ich es dabei beließ. Nachdem Leonie die ersten Monate nach Elyah’s Geburt sehr viel und oft Muttermilch getrunken hatte, nahm es wieder etwas ab und pendelte sich ein.

Die Nähe während des Tandemstillens zu ihrem Bruder, wie auch die Gewissheit, dass ich sie nicht abweise, somit also nach wie vor die Nähe zu mir erfahren durfte, ließen gar nicht erst große Eifersuchtsgefühle aufkommen.

                

Einzig die Einschlafrituale für beide Kinder waren für mich teilweise eine Herausforderung. Beide wollten stillen und Leonie musste sich erst daran gewöhnen, dass dies nicht funktionierte im Liegen. Also musste sie entweder im Sitzen, oder über mich gelehnt trinken, oder eben warten, bis Elyah eingeschlafen war und ich dann Zeit hatte für sie. Manchmal war sie sehr geduldig und ließ mir Ruhe für Elyah, andere Male turnte sie im Zimmer umher, machte Lärm und raubte mir den letzten Nerv.

Auch das anfangs häufige stillen in der Nacht, da beide zu unterschiedlichen Zeiten wach wurden, war für mich anstrengend. So wurde ich von Elyah ca. 3-5 mal geweckt, von Leonie 1-2 mal und teilweise noch von unserem Kater zum füttern oder rauslassen (wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine Katzentüre). Kurz gesagt, ich war sehr müde.

Aber ich wusste immer, es lohnt sich. Ich gebe meinen Kindern damit so viel, das ist es mir einfach wert!

erfahrungsbericht-5Nun sind unsere Kinder schon etwas größer geworden. Leonie ist fast 3 ½, Elyah 15 Monate. Die Zeit der Nächte mit wenig Schlaf ist vorbei. Elyah trinkt pro Nacht noch ca. 2mal, was allerdings sehr einfach ist, er öffnet ja nicht mal die Augen, sondern schläft immer gleich weiter, dies hat er von Geburt an gemacht. Leonie hat sich selber ausquartiert, es kam von ihr aus der Wunsch, im Kinderzimmer im Etagenbett zu schlafen. Somit stille ich sie nur noch selten in der Nacht, nur vor dem einschlafen und am Morgen. Das heißt konkret, sie braucht das Einschlafstillen nicht mehr, bis sie einschläft, sondern trinkt vor dem Schlafen (manchmal auch gar nicht) und geht dann ins Bett. Ich wusste ja theoretisch, dass Kinder von sich aus irgendwann genug haben vom ‚Mama-Bett’ und ihr eigenes Bett möchten. Es ist schön für mich bei Leonie zu sehen, dass dies auch wirklich so ist.

Tagsüber stille ich Elyah natürlich immer noch oft. Im Gegensatz zu Leonie isst er auch oft und große Mengen, stillt aber genauso viel wie seine Schwester in diesem Alter. Somit hat also meiner Erfahrung nach die Stillhäufigkeit nichts zu tun mit der Menge des Essens.

Leonie stille ich tagsüber auch noch öfters, manchmal möchte sie von sich aus, manchmal rufe ich ihr zu, ob sie möchte, wenn Elyah gerade am trinken ist, und ‚ihre Brust’ sich auch füllt und spannt. Wie Leonie ihre Eigenständigkeit erlangte, was das Schlafen betrifft, habe ich auch keine Zweifel daran, dass der Zeitpunkt kommen wird, wo sie das Stillen, die Muttermilch körperlich und emotional nicht mehr benötigt. Für Elyah wird es ebenso sein.

Abschließend möchte ich sagen, dass das Stillen für mich und beide Kinder ein Geschenk in jeglicher Hinsicht ist. Ich bin dankbar dafür und genieße diese Zeit, solange sie noch anhält!

Aktuell Juli 2017:

Inzwischen sind noch drei weitere Kinder dazu gekommen. :-) Ich bin nun seit über 12 Jahren am Stillen. Leonie und Elyah haben sich in der dritten Schwangerschaft mit Anael von alleine abgestillt, da die Milch stark zurück ging. Bei Anael war es ähnlich, als das vierte Kind, Ayleen zur Welt kam. Ayleen hat  sich wiederum in der fünften Schwangerschaft abgestillt. Und nun stille ich aktuell Naya, unser fünftes Kind mit 1 1/2 Jahren. Sie wächst und gedeiht und das Stillen ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

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mein Video Langzeit- Tandemstillen:

Literatur:

Natürliche Wege zum Babyglück von Nadine Wenger
ISBN-13: 978-3890606118