Windelfrei Erfahrungsbericht

 Windelfrei und Tragen – Bericht von Nadine Simone Wenger 2007

Zuerst einmal möchte ich berichten, wie ich überhaupt zu diesem Thema gelangt bin:

Unsere Tochter Leonie kam im Geburtshaus im Frühling 2005 zur Welt. Die ersten zweieinhalb Monate waren für Leonie und für uns Eltern sehr schwierig. Vor allem ich als Mutter kam in dieser Zeit oft an meine Grenzen. Sie hat sehr oft geweint, war total unruhig und stundenlang an meiner Brust zum Stillen und zur Beruhigung. Man sagte uns, es seien Koliken, was wir zuerst auch glaubten. Doch meiner inneren Stimme folgend las ich Bücher über Bücher und durchstöberte das Internet auf der Suche nach Antworten. Diese fand ich in folgenden zwei Büchern:

Es geht auch ohne Windeln von Ingrid Bauer
ISBN-10: 3466344727

Auf der Suche nach dem verlorenen Glück von Jean Liedloff
ISBN-10: 340645724X

Das erste befasst sich ganzheitlich mit windelfreien Babys über  Sinn, Zweck und Praxis. Das zweite Buch brachte mir die Wichtigkeit des ständigen Tragens der Babys nahe. Ich hatte nichts zu verlieren, denn ich wusste, so konnte es nicht weitergehen. Also begann ich einfach, indem ich kurzerhand die Windeln wegliess, und Leonie den ganzen Tag mehr oder weniger im Ergo (Tragehilfe) oder auf dem Arm trug und so in meinen Alltag integrierte.

Windelfrei funktionierte ganz gut, obwohl es natürlich anfangs sehr viele ‚Pannen‘ gab. Aber mit der Zeit habe ich ihre Zeichen immer besser verstanden und es wurde ganz einfach.

Was für mich einem Wunder gleichkam:
Leonie war von da an wie ausgewechselt; ein ganz zufriedenes Kind, das nur noch selten weinte.

Endlich hatte ich den Weg gefunden, ihre Zeichen und ihr Weinen richtig zu verstehen, in den meisten Fällen musste sie wohl einfach aufs Töpfchen. Hinzu kam der ständige Kontakt durch das Tragen,  das Grundbedürfnis eines jeden Kindes. Meist hielt ich sie einfach auf dem Arm, sei es beim Putzen, Kochen oder sonstige Alltagsdinge Erledigen. Wenn sie müde war, schlief sie häufig im Ergo.

Ich bedauerte sehr, dass ich mich nicht schon vor der Geburt über die Wichtigkeit des Tragens und die Vorteile von ‚windelfrei’ informiert hatte. Hätte ich mir und meiner Tochter doch diese erste schwere Zeit ersparen können. Aber alles hat immer einen Sinn. Leonie war in dieser Hinsicht meine Lehrerin. Sie hat mir mit ihrer Rückmeldung gezeigt, dass etwas nicht in Ordnung ist und ich umdenken muss. Sie hat mir die Augen geöffnet und mir klargemacht, was ihre Grundbedürfnisse sind, und wie ich diese erfüllen kann. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Ich kann Frauen verstehen, die ratlos sind, nicht mehr weiterwissen, verzweifelt nach der Ursache ihrer weinenden Babys suchen. Leonie hat mir beigebracht, wie einfach es ist, ihren Bedürfnissen nachzukommen, wie glücklich und zufrieden Babys von Natur aus sind, wenn man ‚nur’ versteht und begreift, was sie so dringend benötigen.

Ich möchte hiermit Frauen ermutigen, auf ihr eigenes Kind zu hören, diese sensible Kommunikation aufzunehmen und zu erspüren, was es wirklich braucht. Getragenen Babys, die gestillt werden, wann sie möchten, auf deren Ausscheidungen eingegangen wird mit Hilfe der natürlichen Babypflege, auf deren Weinen sofort reagiert wird, die nachts die Nähe ihrer Mutter spüren, die geliebt werden und Wärme und Geborgenheit erfahren, denen mangelt es an nichts, infolgedessen sind sie auch zufrieden.

Nachdem ich diesen Schlüssel zu unserem persönlichen Glück als Familie gefunden hatte, wusste ich für mich, genauso, in dieser Weise kann unsere Tochter friedvoll aufwachsen. Ich selber, unser Familie, wie auch Aussenstehende waren beeindruckt, wie zufrieden Leonie von da an war, sie weinte wirklich nur sehr selten, war immer sehr interessiert an allem und aktiv.

Bei unserem Sohn Elyah war alles noch viel einfacher, da wir ja bereits über das Wissen und die Erfahrung mit Leonie verfügten. Er wurde im Frühling 2007 alleine zu Hause im Wasser geboren; eine wundervolle Erfahrung.

Er wurde von Anfang an getragen, anfangs im Tragetuch oder auf dem Arm, tagsüber später im Ergo zum Schlafen, ansonsten hielt ich ihn einfach im Arm und erledigte so den Haushalt. Er konnte so meine Nähe spüren, alle Bewegungen wahrnehmen, war passiv mitten im Geschehen und beobachtete meine Handlungen, die seiner Schwester und die Umgebung. Sein Körper lernte die ganzen motorischen Bewegungsabläufe kennen wie aufstehen, laufen, bücken, drehen, springen, sitzen, hochheben etc. Durch diese ganzen Eindrücke sammelte er die notwendige Lebenserfahrung eines Babys und sein Grundbedürfnis des Getragenwerdens wurde erfüllt.

Für die ersten paar Wochen hatte ich mir eigentlich Stoffwindeln besorgt, da ich nicht wusste, ob es gleich von Geburt an mit der natürlichen Säuglingspflege klappen würde. Doch schliesslich entschieden wir uns für eine Lotusgeburt (Geburt, bei der die Nabelschnur nicht getrennt wird, die Plazenta bleibt mit dem Baby verbunden, bis diese von selber abfällt), und das Wickeln hätte dabei wohl nur gestört. Also liess ich es von Anfang an sein, Elyah war von Geburt an immer nackt in eine Decke gewickelt bei mir, nur mit einem Moltontuch unter dem Po zur Sicherheit. Ich hielt ihn über ein Töpfchen (es gibt speziell kleine Asiatöpfchen für Neugeborene) oder eine Schüssel, meist schon während des Stillens und das hat zu unserer Verwunderung und Freude gleich zu Beginn geklappt. Es war noch einfacher als bei Leonie, da er sich noch nicht gewohnt war, in seine Kleidung (Windeln) zu machen und so das natürliche Bewusstsein für seine Ausscheidungen behielt.

Das grosse Geschäft machte er fast immer ins Töpfchen und das Kleine häufig. Ansonsten wurde so nur der Molton nass, der ganz schnell auszuwechseln war. Im Alltag mit zwei Kindern war ich total froh, über diese einfache und schnelle Lösung. Die Kleider für die erste Säuglingszeit, benötigten wir gar nicht, wenn es heiss war, wickelt ich ihn in ein Tuch, sonst in eine wärmere Decke. Er fühlte sich so natürlich  pudelwohl. Nachts brauchte ich selten einen neuen Molton. Er wurde durchschnittlich  zweimal kurz wach zum Stillen und Pinkeln. Da er immer ganz nahe an mich gekuschelt schlief, bemerkte ich sofort, wenn er unruhig wurde, nahm ihn gleich hoch, gab ihm die Brust und hielt sein Töpfchen darunter. Er erwachte währenddessen nicht mal richtig, sondern war im Halbschlaf, hielt seine Augen geschlossen und schlief danach einfach weiter, sobald ich ihn wieder hinlegte.

Mittlerweile ist er fast fünf Monate alt, immer noch ein auffällig zufriedenes Baby. Jetzt, wo er sehr aktiv ist, und schon fast krabbelt trägt er Kleidung, die schnell und praktisch auszuziehen ist. Ich möchte natürlich nicht unerwähnt lassen, dass es auch bei uns noch Pannen gibt, und nicht immer alles zu 100% klappt. Vor allem jetzt, wo er seine ersten Zähnchen kriegt, ist es manchmal schwierig zu erkennen, ob er unruhig ist, wegen dem Zahnen, oder ob er mal muss. Doch meine ersten Handlungen wenn er weint, sind immer noch Stillen und aufs Töpfchen gehen, oder im Ergo herumtragen, wenn ich merke, dass er müde ist. Eines dieser Bedürfnisse ist fast immer der Grund für sein Unwohlsein. Unser promptes Reagieren darauf, bringt seine Welt wieder in Ordnung, was er uns durch seine häufige Zufriedenheit immer wieder bestätigt. Wir geniessen diese Verbundenheit, die wir so mit unseren Kindern erfahren dürfen, en Respekt und das gegenseitige Vertrauen.