Geburtsbericht Anael Maitreya – 2. Alleingeburt

Alleingeburt zu Hause im Geburtspool – Nadine Wenger

Zu diesem Zeitpunkt lebten wir gerade auf einem idyllischen ‚Älpli‘ in der Innerschweiz. Eine Zufahrt führte über eine abenteuerliche Schotterstrasse zum Haus hinauf. Im Winter konnte man nur zu Fuss hoch.

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Zuhausekuh fenster

Unser Briefkasten befand sich unterhalb des Hügels beim nächsten Bauernhof eines kleinen Weilers. Pakete wurden auch da im Kuhstall deponiert. Auch rund um’s Haus hatten wir Kühe, die auch mal bei uns zum Garderobenfenster rein spähten. Uns gefiel es sehr gut da, Natur pur und wir hatten unsere Ruhe.

Nachts am 07.06.2010 bin ich aufgewacht, da ich ein leichtes Ziehen im unteren Rückenbereich spürte. Als ich auf’s Klo ging, bemerkte ich leicht rötlichen Ausfluss. Ich ging ins Wohnzimmer, hörte Musik, massierte ein wenig den Bauch und hielt Zwiesprache mit unserem Baby. Alles war ruhig und friedlich, die beiden älteren Geschwister und Patrick schliefen.

Ich habe Wäsche zusammengelegt und unsere Katzen gefüttert, dann wachte Elyah kurz auf. Ich ging wieder zurück ins Bett, und konnte nochmals ein wenig schlafen. Um 07.00Uhr war Elyah dann definitiv wach, da er am Vorabend früh eingeschlafen war und so sind wir zusammen aufgestanden.

Der Tag war meist bedeckt zwischendurch hat es geregnet. Ich spürte immer wieder mal ein ganz leichtes Ziehen, wie auch den Tag zuvor schon, nachdem Patrick und ich miteinander geschlafen hatten. In dieser Nacht war ich noch nicht soweit, ganz los zu lassen, wollte lieber nochmals ausgiebig schlafen.  Aber nun freute ich mich auf die Geburt, und hoffte, dass es bald soweit sei. Den ganzen Tag über habe ich bewusst nur sehr wenig und gesunde, leichte Kost zu mir genommen, um den Geburtsvorgang damit zu unterstützen. Prompt hatte ich auch leichten Durchfall, mein Magen war also wirklich so gut wie leer, was die Geburt wesentlich erleichtert.

Nachmittags watschelte ich Leonie und Elyah im Entengang unsere Alp hinunter zum Briefkasten. Was normalerweise 15 Minuten in Anspruch nahm, war hochschwanger eine längere Angelegenheit mit Pausen dazwischen.

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Auf dem Rückweg, vorbei an den Kühen, den Hügel wieder hoch, machten wir gar eine längere Pause und spielten am kleinen Bach, der sich durch die Wiesen schlängelte. Zwischendurch spürte ich immer mal ein sanftes Ziehen im Rücken.

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Abends kam Patrick erst um 20.00Uhr von der Arbeit nach Hause. Ich spürte dabei das Ziehen etwas stärker, aber immer noch sehr angenehm, ca. alle 8 Min während ½ Min. Ich wusste nicht, ob es nun wirklich losgehen würde, hatte aber intuitiv das Bedürfnis, dass er möglichst schnell unseren Kachelofen anfeuern und den Geburtspool nochmals aufblasen sollte, was er auch sofort tat. Er zündete überall Kerzen an, füllte die Duftlampen und legte Düfte und Öle bereit. Leonie hatte mir am Nachmittag noch ein Sträußchen Blumen von der Wiese gepflückt, für die Geburt. Alles war nun bereit, und ich habe ein paar Fotos davon gemacht:

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Zuerst setzte ich mich noch kurz in die Heilpyramide, die wir aufgestellt hatten. Die Wellen fühlten sich darin noch etwas angenehmer an, aber ich hatte stark das Bedürfnis nach Wärme und Wasser, deshalb ging ich ins Badezimmer und begann, den Pool zu füllen. Ich atmete langsam und tief während den Wellen, welche schon etwas stärker, aber immer noch sehr angenehm waren. Ich hatte das Gefühl, das Füllen des Pool’s dauert ewig. Patrick kümmerte sich inzwischen um unsere beiden Grossen und brachte sie zu Bett.

Als der Pool genügend gefüllt war, ließ ich mich hinein sinken in das warme Wasser, was sich so gut anfühlte. Insbesondere im unteren Rückenbereich brauchte ich die Wärme. Die Musik-CD nahm ich raus und wechselte zur Hypnobirthing-CD, die englische Version von Magie Mongan. Diese CD hörte ich bereits täglich vor dem Einschlafen und sie war auch schon bei der zweiten Geburt eine große Hilfe. Ich entspannte mich sofort.

Ich schaute auf die Uhr, es war nach 21.00Uhr und ich merkte, wie die Wellen stärker wurden. Also doch kein Fehlalarm, ich freute mich riesig. Gemütlich saß ich im Pool und atmete bei jeder Welle tief und langsam ein und vor allem auch aus. Dabei schaute ich zum Fenster hinaus. Welch friedlicher Anblick, draußen die Berge, die grüne Natur und drinnen das Kerzenlicht. Ich hörte Kuhglocken-Gebimmel und das Zirpen der Grillen. Es wurde langsam Abend und dämmerte bereits.

Bei Elyah hatte ich das Gefühl, unendlich Zeit zu haben und war sehr gelassen. Diesmal hingegen hatte ich ein anderes Gefühl, eine innere Unruhe im Sinne von bewusst gewollter Aktivität. Ich wollte, dass es schnell vorwärts ging. In mir drin dachte ich mir: ‚schön und gut, so gemütlich zu veratmen, aber ich möchte nun, aktiv werden’. So öffnete ich das Fenster und begab mich auf die Knie. Die kühle, hereinströmende Abendluft tat gut. In der einen Hand hielt ich meine Geburtssteine, drei Aprikonsenachate und ein roter Jaspis. Mit der anderen Hand hielt ich mich am Griff des Fensters fest, ließ mich daran hängen, so konnte der untere Körperbereich noch mehr loslassen und entspannen. Die Wellen wurden sofort ganz stark. Dies war für mich das Zeichen, dass es vielleicht schon soweit sei, dass ich das Baby runteratmen kann, obwohl noch kaum Zeit vergangen war, seit ich im Pool saß.

Ich merkte, dass ich auch während den Wellenpausen im langsamen Atemrhythmus bleiben musste, um nicht aus der Konzentration zu fallen. Ich nutzte also jede kommende Welle ganz bewusst, habe mir dabei vorgestellt, wie ich ganz weit und offen bin und das Baby runterrutschen kann. Ich atmete tief und intensiv aus, schob dabei etwas mit. Schon nach kurzer Zeit spürte ich Anael im Geburtskanal. Es fühlte sich an, als ob etwas ganz Großes mich dehnen und weiten würde. Etwa zwei Wellen später griff ich in die Vagina um zu schauen, ob tatsächlich was zu ertasten ist. Ich fühlte etwas kleines, Glibbriges. Ich fragte mich, ob das wohl die Fruchtblase oder ein Fuß sei. Die Wellen wurden noch intensiver, aber angenehmer, mehr wie ein Wahnsinns-Druckgefühl.

Eine Welle später rutschte er ganz hinunter und ich konnte bereits den Kopf in mir drin ertasten. Ich war ganz euphorisch. Mit der nächsten Welle schob sich ganz langsam der Kopf hinaus, ich machte mit den Händen den Dammschutz. Dabei atmete ich zuerst ganz tief, stöhnte, meine Stimme hob sich an und ich brach in schallendes Gelächter aus. Ich war so voller Freude, ich konnte gar nicht mehr anders als nur noch lauthals Lachen und kaum mehr aufhören!

Der Kopf unseres Babys war geboren. Es war 22.23Uhr. Im schummrigen Kerzenlicht konnte ich nichts erkennen, aber ich tastete mit den Händen nach dem Baby. Ein ganz samtweiches Köpfchen und winzige Ohren, welch ein Wunder! Ich war überwältigt. Ich wartete auf die nächste Welle, es kam mir wieder vor wie eine Ewigkeit. Aber es dauerte nur eine Minute, dann war Anael Maitreya geboren. 22.24Uhr, nach knapp 1 1/2h aktiver Geburt.

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Anael gleich nach der Geburt

Ich hob ihn sanft aus dem Wasser und nahm ihn ganz Nahe zu mir in den Arm. Wie friedlich doch alles war, umgeben von Kerzenschein.Die Zeit schien still zu stehen, welch erhabener Moment voller Glück! Und da kam auch bereits Patrick ins Badezimmer und war höchst erstaunt, dass unser Baby schon da war. Ich schaute Anael genauer an……ein Junge! Wir mussten beide Lachen, da wir dem Gefühl nach mit einem Mädchen gerechnet hatten. Wir freuten uns beide einfach riesig! Ein so großes Geschenk, dieses gesunde Kind und diese wunderschöne, einfache Geburt. Anael war dabei ganz ruhig und ich blieb noch eine Weile im Wasser. Als er anfing zu schreien half mir Patrick aus dem Pool und ich stieg die Treppen hinauf ins Schlafzimmer. Anael nuckelte zufrieden an der Brust und schlief ein.

Etwa eine Stunde später schaute ich, ob die Plazenta rauskommen würde, aber es war noch zu früh. Also kuschelte ich mich wieder ins Bett und döste vor mich hin. So gegen 2.00Uhr morgens waren wir wieder wach und ich ging in die Hocke, drückte sanft auf den Bauch und versuchte ganz leicht zu ‚Pressen’, jedoch ohne Erfolg. Anael war noch immer mit der Plazenta und mir verbunden, da wir eine Lotusgeburt wollten, wie bei Elyah. Es war nun also etwas umständlich für mich, mit der kurzen Nabelschnur in der Hocke zu bleiben.

Meine Schwester als angehende Hebamme, hatte mir noch am gleichen Tag den Tipp gegeben, in eine Flasche zu pusten, falls die Plazenta nicht rauskommen sollte. Ich hatte keine Flasche bereit, also pustete ich einfach zweimal kräftig in meine Hand. Et voilà, schon kam die Plazenta mühelos rausgerutscht ins Sieb über der Schüssel, welches ich bereithielt. Ich war erleichtert, nun konnte das Wochenbett beginnen.

(Wellen = Wehen)

Patrick & Anael