Erfahrungsbericht Co-Sleeping

Nadine Simone Wenger / August 2009

Was gibt es Schöneres, als ein friedlich schlafendes Kind neben sich? Diese Frage hätte ich vor meiner Zeit als Mutter anders beantwortet als ich dies jetzt tue: „Die Geborgenheit und Nähe zum Baby oder Kleinkind, wenn es wohlig warm neben mir schläft ist einfach wundervoll und einmalig“.

Doch wie dachte ich noch während der ersten Schwangerschaft darüber? Ich wusste sehr wenig über Babys, über ihre Bedürfnisse über ihre natürlichen Rhythmen und meiner Rolle als Mutter. Damals glaubte ich allen Ernstes, ein Baby brauche ein eigenes Zimmer mit Babybettchen. Wir kauften selbstverständlich ein wunderschönes Holzbettchen mit einer lachenden Sonne vorne drauf und einem hellblauen ‚Himmel’. Dazu kam noch die passende Wickelkommode, der Schrank und einiges mehr. Es sah richtig hübsch aus und ich machte hochschwanger ganz stolz einige Photos davon.

Hier eines davon. So stellte ich mir dies also vor:

Schangerschaft LeonieNun, unsere Katzen liebten das Bettchen und so fand es zumindest teilweise  Verwendung. Als Leonie geboren wurde, waren zum Glück meine natürlichen Urinstinkte als Mutter und Beschützerin erwacht, und ich konnte mir nicht mehr vorstellen, dieses winzige Wesen, das ich neuen Monate unter meinem Herzen trug in ein einsames, kaltes Bettchen zu legen.

Textfeld: Nein, ich wusste Leonie braucht meine Nähe, mein Geruch, den Hautkontakt, das Stillen, das gemeinsame Atmen während der Nacht. Es fiel mir auf, wenn ich noch wach neben ihr lag, dass sie teilweise Atemaussetzer hatte. Sobald sie jedoch mein Atmen hörte, atmete auch sie ruhig weiter.

Ich hatte das Gefühl, ihr Leben wäre noch so zerbrechlich und könnte aufhören, wenn ich nicht in ihrer Nähe wäre und ihr die Lebensimpulse und meine Liebe geben würde.

Textfeld: Ich genoss es, ihrem Atem zu lauschen, ihre weiche, warme Haut zu spüren und ihr schlafendes Gesicht zu betrachten, bevor ich selber einschlief. Es waren Momente der inneren Glückseligkeit.

Dazu kam, dass ich sehr praktisch veranlagt bin und mir selber und auch Leonie das Schlafen möglichst einfach gestalten wollte. Es ergab für mich absolut keinen Sinn, sie in ein anderes Bett oder sogar getrenntes Zimmer zu verfrachten, wo ich jedes Mal nachts mühsam hätte aufstehen müssen um zu stillen. Da wäre ich ja hellwach geworden und hätte erstmal den eigenen Schlaf wiederfinden müssen. Und das mehrmals in der Nacht?!  Darauf hatte ich absolut keine Lust. Ich stille meist im Liegen, im Halbschlaf und dämmerte danach gleich wieder in den Schlaf. Es war äusserst einfach.

Dazu muss ich vielleicht noch erwähnen, dass es anfangs noch einige Nächte gab, in denen ich mich abmühte, nach einem sogenannten „4-Stunden-Rhythmus“ zu stillen. Ein Rat, den ich im Geburtshaus bekommen hatte, da angeblich die Muttermilch einige Zeit braucht zum verdauen und nicht neue Milch dazukommen sollte, da dies zu Koliken führen kann.

Ein Ammenmärchen wie sich heraus stellte. Lesenswert dazu fand ich das Buch von Joachim Bensel („Was sagt mir mein Kind, wenn es schreit“), er erläutert da, weshalb es unsinnig ist, dem Baby einen Still-Rhythmus aufzwingen zu wollen. Diese Theorie bestätigte meine Praxis. Ich stillte Leonie einfach nach Bedarf, glücklicherweise kam ich nach wenigen Tagen zu diesem Entschluss, alles andere war gegen die Natur und brachte uns beiden nur Kampf und Unruhe.

Nachts war es also sehr angenehm. Tagsüber hatten wir die ersten zweieinhalb Monate eine schwierige Zeit, bis ich Windelfrei entdeckte und Leonie den ganzen Tag mit mir herumtrug. Mehr dazu steht in meinem Erfahrungsbericht unter den Rubriken „Windelfrei & Tragen„.

Mein Mann schlief die ersten Monate auch im Familienbett. Mit der Zeit wurde uns dies allerdings zu stressig, da wir andere Schlaf-Rhythmen hatten. Er ging früher zu Bett, brauchte seine Ruhe in der Nacht und musste morgens früh raus. Leonie und ich gingen spät ins Bett und genossen es auch, morgens lange auszuschlafen. Aus diesem Grund entschieden wir uns, dass mein Mann im anderen Zimmer schlief. So kamen alle zu ihrem Schlaf und es hat sich bis heute ganz gut bewährt.

Als Elyah geboren wurde, war es ganz klar, dass er auch bei mir und Leonie schlafen würde. Beide Kinder haben sich schnell aneinander gewöhnt und schliefen weiter, wenn das andere nachts wach wurde. Es waren trotzdem anstrengende Nächte, da ich mehrmals geweckt wurde, 3-5 mal von Elyah und 1-2 Mal von Leonie. Umso mehr schätzte ich es, dass die beiden gleich neben mir lagen und ich nicht noch in andere Zimmer laufen musste. Dies vereinfachte es wirklich sehr.
Leonie & Elyah im Familienbett

An Tagen, wo mein Mann geschäftlich unterwegs war, hat es einige Zeit gebraucht, bis beide Einschlafen konnten, dies funktionierte teilweise nur mit Tandemstillen. Wenn er da war, kümmerte er sich meist um Leonie und ich legte Elyah ins Bett, nachdem er an der Brust eingeschlafen war, danach konnte ich mich Leonie widmen. Dies funktionierte wunderbar.

Mit ca. 3 ½ Jahren wollte Leonie von sich aus im eigenen Bett im Spielzimmer schlafen. Es war für mich schön zu sehen, dass sie diesen Schritt ganz von sich aus machte. Einige Monate später hatte ich unser Schlafzimmer neu umgestellt und hübsch eingerichtet, was Leonie ganz gut gefiel. Sie bat darum, wieder bei mir und Elyah schlafen zu dürfen, da es da ja jetzt so schön aussehe. Ich musste schmunzeln und war aber innerlich irgendwie froh, dass es nochmals eine Zeit geben würde, wo sie friedlich neben mir schlafen würde. Ihr eigenes Bett steht nun also wieder leer und wartet auf den Zeitpunkt, wo sie es sich wieder anders überlegt hat. Bis dahin geniesse ich einfach die Nähe der Beiden ohne irgendwelchen Druck, dass es anders sein ‚müsste’. Ich weiss nun ja bereits, dass Leonie auch ganz gut im eigenen Bett schläft und es ihre freie Entscheidung ist, wann sie dies auch wieder tun möchte.

Es gibt bei uns absolut gar keinen Stress, wenn es um das zu-Bett-gehen geht. Leonie geht ins Bett, wann sie müde ist und schläft auch gleich ein. Ich sehe keinen Grund, sie ins Bett zu zwingen, wenn sie noch munter und voller Energie und Tatendrang ist. Häufig ist die Zeit abends, wenn Elyah bereits schläft die Zeit, in der sie in Ruhe für sich noch Bücher anschaut, etwas malt oder sehr kreativ am basteln ist. Ich selbst habe abends beziehungsweise nachts auch meine aktivsten und kreativsten Phasen, also warum sollte dies nicht auch bei meiner Tochter so sein? Zeitraster sind mir selber ein Gräuel und ich lebe gerne aus dem Moment heraus, möglichst ungebunden an irgendwelche Termine. Solange es geht, möchte ich auch Leonie ermöglichen, nach ihrem eigenen Rhythmus zu schlafen und aktiv zu sein. Es gibt somit auch keine langen Einschlafrituale oder sonstigen Prozedere vor dem zu Bett gehen. Jedes Familienmitglied schläft ganz einfach dankbar ein, wenn es müde ist.